Aktivitäten
Münzausstellung
Coins of Crisis: Power and Money in Late Byzantium and Beyond
Münzausstellung aus Anlass des 25. Internationalen Kongresses für Byzantinistik in Wien
Öffnungszeiten: 25.-27. August 2026, 11:00-16:00 Uhr
Ort: Österreichische Akademie der Wissenschaften, Institut für Mittelalterforschung (Österreichische Postsparkasse), Georg Coch-Platz 2, 1010 Wien, 3. Stock (barrierefreier Zugang über Wiesingerstraße 4, 1010 Wien)
Jahrhundertelang war das Oströmische (Byzantinische) Reich nicht nur der angesehenste Staat Europas, sondern prägte auch die prestigeträchtigste Währung des Mittelmeerraums: den goldenen Solidus (später Nomisma oder Hyperpyron genannt) mit einem Gewicht von 4,55 Gramm. Trotz aller geopolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen konnte Byzanz den Wert seiner Währung über 700 Jahre lang bis ins 11. Jahrhundert weitgehend stabil halten. In den 1950er Jahren bezeichnete die Forschung die byzantinische Goldmünze daher als den „Dollar des Mittelalters“ (der sich inzwischen jedoch als deutlich weniger wertstabil erwiesen hat als die byzantinische Währung…).
Die erste schwere Währungskrise des Byzantinischen Reiches im 11. Jahrhundert fiel mit einer Phase territorialer Schrumpfung und dem Aufstieg neuer geopolitischer und wirtschaftlicher Konkurrenten zusammen. Im 12. Jahrhundert gelang es dem Reich zwar, seine Grenzen, seine Wirtschaft und sein Münzwesen erneut zu stabilisieren, doch schließlich führten interne Konflikte und Angriffe von außen zu seinem Zusammenbruch mit der Eroberung der Hauptstadt Konstantinopel durch die Kreuzfahrer und Venezianer im Jahr 1204. Obwohl einige Mitglieder der byzantinischen Elite in Gebieten Westgriechenlands, am Schwarzen Meer und in Nordwestkleinasien – von wo aus Konstantinopel 1261 zurückerobert wurde – die Macht behaupten konnten, gelang es dem Reich nie wieder, seine frühere zentrale Stellung in Politik und Handel zurückzuerlangen.
Im Gegensatz dazu wurden das östliche Mittelmeer und das Schwarze Meer von neuen Großmächten wie den mongolischen Staaten der Goldenen Horde in Osteuropa und des Ilchanats im Nahen Osten oder dem Mamluken-Sultanat in Ägypten und Syrien dominiert, während die ehemaligen Kerngebiete von Byzanz in Südosteuropa und Anatolien durch territoriale Zersplitterung gekennzeichnet waren. Innerhalb dieser komplexen politischen Landschaft sorgten die Kaufleute der Seerepubliken Venedig, Genua und Pisa für Handelsverbindungen; sie konkurrierten ihrerseits um die Kontrolle von Handelsrouten und Kolonialstützpunkten in der Ägäis oder auf der Krim.
Alle diese Akteure prägten ihre eigenen Münzen, und die politische Zersplitterung und kulturelle Vielfalt des östlichen Mittelmeerraums nach dem Vierten Kreuzzug 1204 spiegelte sich auch in der Vielzahl der Währungen wider. In dieser Ausstellung werden Münzen aus dem Spätbyzantinischen Reich und benachbarten Staaten nicht nur als Zahlungsmittel präsentiert, sondern gleichermaßen als Machtinstrumente und Zeugnisse sozioökonomischer Verflechtungen – ein Spiegelbild der innovativen Forschung des jungen Sammlers dieser Exemplare, Samuel Ernest Logan Cowell, Doktorand an der Universität Wien (unter der Betreuung des Numismatikers Nikolaus Schindel und des Byzantinisten Johannes Preiser-Kapeller).
Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Team des Forschungsprojekts „Entangled Charters of Anatolia (1200–1300, ENCHANT)“ organisiert, das vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF am Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (https://www.oeaw.ac.at/en/imafo/research/byzantine-research/byzantium-and-beyond/mobility-and-intercultural-contacts/entangled-charters-of-anatolia-1200-1300-enchant) gefördert wird. Im Sommersemester 2026 begleitete auch eine Lehrveranstaltung an der Universität Wien die Vorbereitung der Ausstellung (https://ufind.univie.ac.at/de/course.html?lv=070088&semester=2026S). Neben Münzen aus der Sammlung von Sam Cowell präsentiert die Ausstellung daher auch Ergebnisse von ENCHANT und anderen Projekten sowie Arbeiten von Studierenden der Universität Wien, die den breiteren Kontext des globalen Handels und der Mobilität im späten Mittelalter innerhalb und außerhalb von Byzanz veranschaulichen.
Prosopography of a Fragmented Byzantium: 1204 – 1261 ist ein Pilotprojekt von Nathan D.C. Websdale (Universität Oxford) in Zusammenarbeit mit Ekaterini Mitsiou (Universität Wien). Ziel ist es, eine der größten Forschungslücken in der byzantinischen Prosopographie zu schließen: die politische Zersplitterung der Balkanhalbinsel nach dem Vierten Kreuzzug 1204. Die Plünderung der Hauptstadt und die darauffolgenden fünf Jahrzehnte markieren den Zusammenbruch des zentralisierten byzantinischen Staates mit Sitz in Konstantinopel. Gleichzeitig war diese Zeit aber auch eine Phase des Überlebens und des Wiederaufbaus administrativer, juristischer, familiärer und sozialer Netzwerke. In diesem Kontext erlebte die Briefkultur, die Kunst des Briefeschreibens, eine oft übersehene Blütezeit. Sie verband die Völker des zersplitterten Raumes und erlangte im 13. Jahrhundert eine beispiellose Bedeutung. Die Initiative wird auch mit einem Poster vorgestellt.

Rom und Byzanz im Cyberspace
Besucher*innen habe auch die einmalige Gelegenheit, die römische und byzantinische Geschichte in vier Dimensionen in Virtual Reality zu erkunden. In einer Kooperation des Instituts für Mittelalterforschung (IMAFO) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Netzwerkmedizin der Universität Wien wurden Netzwerke römischer und byzantinischer Routen sowie der spätbyzantinischen Elite auf völlig neue Weise aufbereitet und visualisiert. Im Rahmen der Münzausstellung an können Kongressteilnehmer*innen und alle Interessierten in die komplexen Verflechtungen der römischen und byzantinischen Welt eintauchen und durch geografische und soziale Räume über mehrere Jahrhunderte reisen.
Der Datenwissenschaftler Felix Müller steht Ihnen am Dienstag und Mittwoch jeweils von 13 bis 16 Uhr als Führer durch diese virtuellen Räume und deren technische Hintergründe zur Verfügung. Die Daten wurden vom ENCHANT-Projektteam am IMAFO aufbereitet und analysiert.
Die Ausstellung ist nur dank der großzügigen Unterstützung von Numismatica Ars Classica, vertreten durch Herrn Giuliano Russo, möglich. Numismatica Ars Classica wurde 1988 in Zürich gegründet und feierte im Folgejahr mit einer ersten Auktion Premiere. Der hohe Standard und die Qualität der in den darauffolgenden Jahren angebotenen Münzen brachten dem Unternehmen schnell den Ruf ein, zu den weltweit führenden und vertrauenswürdigsten Anbietern antiker Münzen zu gehören. Die Spezialgebiete von NAC sind vor allem, aber nicht ausschließlich, griechische, römische, byzantinische und italienische Münzen. NAC nimmt an allen wichtigen numismatischen Auktionen teil und ist Mitglied aller bedeutenden numismatischen Vereinigungen. NAC ist fest von der Bedeutung numismatischer Forschung überzeugt und ist stolzer Förderer numismatischer Initiativen, die die Tradition des Münzsammelns bewahren und neue Enthusiasten für dieses Gebiet begeistern sollen (siehe https://www.arsclassicacoins.com/).




