Im Zeichen der Siegel:

Geschichte und Kultur im östlichen Mittelmeerraum (von der Spätantike zum Mittelalter)

Organisiert und durchgeführt von:
Univ. Prof. Dr. Alexandra-Kyriaki WASSILIOU-SEIBT
Aristoteles Universität Thessaloniki / Österreichische Akademie der Wissenschaften

Kulturelle Aspekte, Geschichte, Gesellschaft und Wirtschaft Ägyptens von der spätrömischen bis in die früharabische Zeit werden über Tonsiegel (teilweise in Begleitung des besiegelten Dokuments) aus den Beständen der Papyrussammlung der ÖNB beleuchtet. Einige der ausgestellten Objekte sind Zeugnisse der Transformation des paganistischen Erbes im Sinne ihrer Anpassung an das Christentum, andere wiederum erhellen den Lebenskreis der Kopten. Die Eroberung Ägyptens durch die Araber (642: Einnahme von Alexandria) leitete keine abrupte sprachliche, religiöse und kulturelle Zäsur ein, sondern eine sukzessive Annäherung an die lokalen Gegebenheiten und die vorhandenen Verwaltungsstrukturen. Zu den Highlights der Exposition zählt unter anderem das Tonsiegel des Eroberers Ägyptens, Amr b. al-As, versehen mit einem stoßenden Stier, das an einem Papyrus (anno 643) angebracht war, womit dem Pagarchen von Herakleopolis der Empfang von Heu und Getreide zur Verpflegung von Ross und Mann bestätigt wurde.

Die Vielfalt des Lebensraumes der Byzantiner in Hauptstadt (Konstantinopel) und Provinz, sowie Verwaltungsapparat, Aristokratie, Gesellschaft und Kirche werden anhand ausgewählter Bleisiegel der Privatsammlung Univ. Prof. Dr. Alexandra-Kyriaki Wassiliou-Seibt dargestellt, welche insbesondere aufgrund ihrer teilweise inhaltlich detaillierten Inschriften als unabdingbare Quellen für die Rekonstruktion sozialer und historisch-geographischer Mikrostrukturen des byzantinischen Reiches fungieren. Die jeweiligen Siegelinhaber sind Funktionäre des staatlichen und kirchlichen Verwaltungsapparates, sowie Angehörige der Aristokratie, wobei ein höherer Prozentsatz von ihnen eine fremde Herkunft aufweist. Zu den Highlights der ausgestellten Objekte zählen einige bisher unveröffentlichte Unikate, wie die Siegel des anderweitig unbekannten Apoalim (griechische Wiedergabe des arabischen Abu Halim) protospatharios epi tu Chrysotriklinu (ca. Mitte 11. Jh.), des Patriarch von Antiochien Anastasios (559-570) oder des anderweitig unbelegten Methodios, Bischof von Konstanteia (heute Simeonovgrad/Bulgarien) (spätes 10./Beginn 11. Jh.).