Zur Personifikation des Jordans in postikonoklastischen Taufdarstellungen
Zur Personifikation des Jordans in postikonoklastischen Taufdarstellungen
Sarah PlankHS 33
In der frühbyzantinischen bildenden Kunst ist es gängige Praxis Flüsse als Personifikationen darzustellen, sowohl im sakralen als auch profanen Kontext. Die ikonophile Argumentation des byzantinischen Bilderstreits, die sich in diesem Punkt auf ältere Autoren stützt, betont die strikte Unterscheidung zwischen Ikone (εἰκών) und Götze (εἴδωλον): Eine Ikone besitzt einen prototypos, ein Götze hingegen ist das Abbild etwas Nicht-Existentem. Vor diesem Hintergrund ist das Verschwinden der Flusspersonifikationen, die dieser Definition zufolge den Götzen zuzurechnen sind, in der postikonoklastischen Kunst nachvollziehbar. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet jedoch die Personifikation des Flusses Jordan im Sujet der Taufe Christi. In zahlreichen Mosaiken, Fresken und Illuminationen, die nach dem Ende des Bilderstreits entstanden, erscheint der Jordan, ganz in der Tradition paganer Flussgötter, als männliche Gestalt im Flussbett sitzend und der Taufe Christi beiwohnend. Mithilfe von Schrift- und Materialquellen soll der Frage nachgegangen werden, weshalb der Personifikation des Jordans diese ikonographische Sonderstellung zukommt. Zudem soll erörtert werden, ob womöglich der Jordan selbst zum heiligen Individuum erhoben wurde, oder ob er vielmehr eine narrative Funktion innerhalb der Darstellung der Taufe Christi übernimmt. Damit soll eine unscheinbare Figur des Bildrandes ins Zentrum der Untersuchung gerückt werden.
