Die konstantinische Konzeption des Apostoleion und anschließende Fragestellungen

Die konstantinische Konzeption des Apostoleion und anschließende Fragestellungen

Hildegard PoeschelBig Hörsaal (BIG-HS)

Die Grablege Konstantins, die als Keimzelle der späteren Apostelkirche zu Konstantinopel gelten kann, wird seit jeher in der spätantiken und byzantinischen Kunst- und Kulturgeschichte sowie christlichen Archäologie intensiv untersucht. Während der archäologische Zugang über vergleichende Ansätze nur indirekt möglich ist, ist auf der Seite der schriftlichen Quellen zumindest die Ekphrasis vorhanden, die Eusebius in seiner Vita Constantini verfasst hat. Dieser Abschnitt stellt die Grundlage der Forschungsdiskussion dar, weist dabei aber viele rätselhafte und umstrittene Komponenten auf, die der Diskussion immer wieder neue Impulse geben. Diese neuen Impulse können mitunter als „Nebenprodukt“ der eigentlichen Forschungsfrage in unerwartete Richtungen weisen und es sind solche „Nebenprodukte“ meiner Dissertation, die im Mittelpunkt des Einzelbeitrages stehen sollen. Dazu soll von der Konzeption, die Konstantin seinem Apostoleion zugrunde legte, ausgegangen werden. Nach der Beschreibung des Eusebius scheint das Konzept zwischen Kirche, Martyrion und Mausoleum weniger zu divergieren als vielmehr zu oszillieren. Die Kombination aus den drei Funktionen und ihre Abhängigkeiten, Hierarchien und Wechselwirkungen untereinander haben trotz aller bestehender Interpretationsansätze zu den berühmten symbolischen Apostelgräber, die im Apostoleion platziert waren, nur eine periphere analytische Beachtung erfahren. Dabei generiert dieser kombinatorische Komplex Fragestellungen, die ihren Ausgang zwar in der Thematik der Apostelkirche nehmen, aber weit darüber hinaus reichen. Dazu gehören die Frage nach dem konstantinischen wie sonstigen zeitgenössischen Verständnis eines Martyrions. Daran schließt sich die These einer artifiziellen Heiligkeit an, die losgelöst ist aus ihrem ursprünglichen konzeptuellen Kontext einer sakralen Authentizität und die damit dem Phänomen der Reliquientranslation vorauseilt. Letzteres wiederum mag Auswirkungen haben auf die Diskussion zur Datierung und Kontextualisierung der ersten Reliquientranslation. Diese Fragen und Themen sollten nicht nur als Begleiterscheinungen zur Geltung kommen, sondern an sich ein Forum erhalten.

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